Stolpersteine bei der Dissertation umgehen

Ganz egal, um welchen Forschungs- bzw. Fachbereich es sich handelt, die Dissertation kann für jeden Schreibenden eine enorme Herausforderung sein. Eine Herausforderung, bei der auch der geübteste wissenschaftliche Autor gelegentlich Hilfe benötigt. Es gibt allerdings gute Tipps und Ratschläge, um die schlimmsten Krisen zu bewältigen.

Zunächst ist es für viele Studierende oder ehemalige Absolventen wichtig, ob eine Dissertation für sie überhaupt in Frage kommt bzw. ob sie für eine Doktorarbeit generell die Voraussetzungen erfüllen. Es stellt sich aber auch die Frage, welchen Nutzen man aus einem Doktortitel ziehen kann. Ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Arbeit ist nämlich ein Ziel vor Augen zu haben, um sich zu motivieren. Denn der Weg zum Titel kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen und das ein oder andere Problem mit sich bringen. Behält man die Nerven unter Kontrolle und setzt die Krisentipps um, so wird das Verfassen einer Dissertation ein Erfolg.

Was eine Promotion bedeutet

Der Forschungsgegenstand der Doktorarbeit möchte gut überlegt sein. Hierbei geht es nicht darum, einfach drauf los zu schreiben, sondern einen eigenständigen Beitrag zur Wissenschaft bzw. zu einem spezifischen Forschungszweig zu leisten. Die Doktorarbeit muss hierzu originelle, wissenschaftliche Erkenntnisse liefern. Diese Erkenntnisse müssen nicht nur zu einem erfolgreichen Abschluss führen, sondern auch veröffentlicht werden. In Deutschland besteht nämlich eine Veröffentlichungspflicht.

Wer kann eine Dissertation schreiben?

Um auf einen Doktortitel hinarbeiten zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst ist eine bestimmte Abschlussnote beim Erststudium erforderlich: üblicherweise ist das eine 2,5 oder besser. Darüber hinaus muss noch ein Doktorvater gefunden werden, der den Doktoranden und dessen Arbeit an der Dissertation betreut, unterstützt und kontrolliert. Drei bis vier Jahre Zeit sollte jeder Doktorand für die Arbeit in jedem Fall einplanen.


Was bringt eine Dissertation?

Je nachdem, in welcher Branche man Fuß fassen möchte, kann ein Doktortitel mal mehr und mal weniger Nutzen mit sich bringen. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass Absolventen, die keine Dissertation schreiben, möglicherweise schneller einen Einstieg in das Berufsleben finden. Sie können also die Karriereleiter dementsprechend schneller emporklimmen. Trotzdem hat der Doktortitel in vielen Bereichen Vorteile:

  • für einen Karriereeinstieg in die Wissenschaft ist der Doktortitel in jedem Fall sinnvoll

  • in industriellen Forschungs- oder Entwicklungsberufen hilft der Titel ebenfalls weiter

  • in der Chemie-, spezifisch in der Pharmaindustrie spielt eine Promotion eine große Rolle

  • das Einstiegsgehalt beim Job kann sich steigern

Auf welche Probleme kann man beim Schreiben der Dissertation stoßen?

Wer die erste Hürde genommen hat, einen Doktorvater findet und von dem eigenen Forschungsprojekt überzeugt, kann auf dem langjährigen Weg hin zum Doktortitel noch auf einige logistische Probleme und spirituelle Krisen stoßen.

  • Fokussierung: Schon der Beginn einer wissenschaftlichen Arbeit kann schwierig sein. Es geht nämlich darum, eine eng gefasste Fragestellung zu finden. Das ist wichtig, damit die sowieso schon umfangreiche Doktorarbeit nicht ausufert. Nur auf diese Weise können klar und fokussierte Ergebnisse erreicht werden. Grafische Modelle und visuelles Brainstorming sollten mit dem Doktorvater besprochen und immerzu erweitert werden.

  • Mangelndes Selbstvertrauen: Zweifel an der eigenen Arbeit, insbesondere wenn es ein solch umfangreiches Projekt handelt, sind völlig normal. Außerdem kann der Berg an Arbeit, der vor einem liegt, sehr einschüchternd sein. Gelegentlich können sich auch schon geringe Zweifel zu einer ausgewachsenen Krise ausweiten. In diesem Fall lohnt es, sich noch einmal vor Augen zu führen, dass man zumindest schon den Doktorvater vom eigenem Konzept überzeugt hat. Auch andere Probleme lassen sich beheben. Wissenschaftler stoßen schließlich immer auf Hürden, die es zu nehmen gilt.

  • Literaturverwaltung: Recherchieren lässt sich fast unendlich viel. Umfangreiche und zahlreiche Textpassagen aus der Sekundärliteratur lassen sich ebenfalls massenhaft finden. Dennoch muss irgendwann mit dem Schreiben begonnen werden. Dafür muss eine Dissertation schon vor dem Schreibbeginn klar und deutlich gegliedert sein, Termine bzw. Deadlines für die einzelnen Kapitel gesetzt und diszipliniert eingehalten werden. Manchmal muss man sich sogar zum Schreiben zwingen. Es ist nicht schlimm, wenn man viel Sekundärliteratur verwendet, allerdings sollte in den letzten Kapiteln eigene Schlüsse gezogen werden.

  • Welchen Experten soll man vertrauen? Es gibt viele Wissenschaftler, die in ihren Arbeiten zu unterschiedlichen Erkenntnissen kommen. Das ist nicht tragisch und gehört zu einem gesunden wissenschaftlichen Diskurs. Üblicherweise sollte der Doktorand den geschätzten und anerkanntesten Experten vertrauen, aber sich auch auf die Ergebnisse verlassen, die den eigenen logischen Schlussfolgerungen entsprechen.

  • Finanzielle Probleme: Normalerweise sollte die Zeit, die man für die Dissertation aufwendet und die Arbeitszeit gleichmäßig aufgeteilt sein. Leider lässt sich dieses Vorhaben nicht immer in die Praxis umsetzen. Sollte es doch einmal zu Geldmangel kommen, kann das ein guter Motivationsschub sein, um die Doktorarbeit fertig zu stellen.

  • Ablenkung durch das soziale Umfeld: Freunde und Familie können eine schöne Sache sein. Allerdings können sie auch ablenken. Um das zu verhindern, sollte der Doktorand an Orten arbeiten, wo er garantiert Ruhe und Konzentration findet. Dafür eignet sich z.B. die Universitätsbibliothek oder ein Café, in dem man niemanden kennt. Auch auf das Telefon, das Smartphone mit seinen diversen Chat-Apps und auf soziale Netzwerke sollte während der Arbeitszeit verzichtet werden.

  • Zeit-Probleme: Trotz einer strikten Arbeitsweise kann es durch unvorhersehbare Umstände zu Verzögerungen und letztendlich auch zu Zeitproblemen kommen. Hier gilt es, sich neu zu organisieren. Ein neuer Zeitplan, den man diszipliniert einhält, Prioritäten setzen und nicht- essentielle Dinge weglassen. Eine Spracherkennungssoftware kann schnelleres Schreiben ermöglichen.

  • Sind die Ergebnisse relevant? Eine Frage, die sich wohl jeder Wissenschaftler stellt. Wissenschaft kann allerdings auch ernüchternd und muss nicht immer spektakulär sein. Wichtig ist es, die ursprünglichen Ziele noch einmal zu betrachten und mit den jetzigen Ergebnissen abzugleichen. Deswegen ist es essentiell, schon zu Beginn eine Methode, Arbeitsschritte und eine klare Gliederung vorzunehmen, die von einem Doktorvater abgesegnet wurde. Sollte man sich genau daran gehalten haben, dürften auch die Ergebnisse angemessen sein.

Wo kann man eine Dissertation schreiben?

Es gibt im Grunde drei Möglichkeiten, sich einen Doktortitel zu verschaffen bzw. eine Dissertation zu schreiben:

in der freien Wirtschaft bzw. Industrie

  • viele Firmen ermöglichen Doktoranden Forschungsprojekte durchzuführen
  • dafür muss man allerdings in verschiedensten Abteilungen mitarbeiten
  • befristete Arbeitsverträge für den Verfassungszeitraum der Dissertation sind üblich
  • der Vorteil ist eine Mischung aus Praxis und Theorie, wo der Doktorand schon Kontakte zu eventuell zukünftigen Arbeitgebern knüpfen kann
  • insbesondere für Kandidaten geeignet, die künftig in der freien Wirtschaft arbeiten möchten

an einer Universität

  • für Doktoranden, die in der Wissenschaft bleiben möchten, führt der Weg üblicherweise über den Doktorvater – dieser muss erst einmal mit Vorsicht ausgewählt werden
  • die Kandidaten arbeiten meistens als studentische Hilfskraft im entsprechenden Fachbereich und muss unter anderem Extra-Aufgaben übernehmen und Studenten betreuen – das kann natürlich Zeit von der eigentlichen Doktorarbeit wegnehmen
  • wer sich mit experimenteller und theoretischer Forschung beschäftigen möchte, ist hier genau richtig

Graduiertenkolleg

  • Forschungsprogramm, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, von Stiftungen oder Universitäten selbst initiiert wird
  • da die Konkurrenz sehr groß ist und die Aufnahmebedingungen schwer sind, ist es nicht leicht, einen Platz zu bekommen
  • man muss mit einem vollen Stipendium rechnen, so dass man sich ohne Ablenkung voll und ganz auf die Doktorarbeit konzentrieren kann
  • die Doktorarbeit wird gleich von mehreren Hochschullehrern betreut

Wer einen Doktor machen möchte, muss viele Entscheidungen treffen. Dies gilt auch für den Standort, der für das Forschungsprojekt gewählt wird. Wichtig ist es auch bei dieser Entscheidung, einen Blick in die Zukunft und auf die eigene Karriereplanung zu werfen. Möchte man einen Fuß in die freie Wirtschaft setzen, bietet sich ein Forschungsprojekt in einem Unternehmen an. Wer sich der Wissenschaft verpflichtet fühlt, bleibt entweder an der Universität oder versucht in ein Graduiertenkolleg zu kommen. Das heißt natürlich nicht, dass ein Wechsel von der Wissenschaft in die freie Wirtschaft nicht mehr möglich ist.

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