Mythos Multitasking – Warum wir nicht mehrere Dinge gleichzeitig erledigen können

Wer früher tatsächlich Multitasking beherrschte, der wurde bewundert. Heute ist die Wissenschaft einen Schritt weiter und hat in mehreren Studien belegt, dass der Mensch gar nicht dafür geschaffen ist, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Unser Gehirn konzentriert sich nämlich immer nur auf eine Tätigkeit, die anderen werden unzureichend ausgeführt und müssen deshalb oft doppelt erledigt werden.

Frauen sind Talente im Multitasking, sagt der Volksmund. Sie haben, anders als Männer, kein Problem damit, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Ob im Beruf oder im Privatleben. Natürlich wird dies eher mit einem Augenzwinkern behauptet, doch noch bis vor kurzem galt insbesondere im Job als besonders talentiert, wer mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen konnte.

Doch langsam aber sicher wendet sich das Blatt und eine breite Gesellschaftsschicht nimmt zur Kenntnis, das Multitasking eigentlich nichts anderes als ein Mythos ist. Das haben mittlerweile mehrere Studien bestätigt. Zuletzt beispielsweise eine Untersuchung der schwedischen Universität Linköping, wonach das menschliche Gehirn gar nicht dafür geschaffen wurde mehrere Dinge gleichzeitig zu verarbeiten oder zu erledigen. Zumindest mit derselben Konzentration. Denn genau die Konzentration ist der Knackpunkt. Ja, wir können gleichzeitig Telefonieren und eine E-Mail überfliegen, aber das Gehirn fokussiert sich in diesem Moment nur auf eine der beiden Aufgaben. Es entscheidet intuitiv, welche gerade die wichtigere ist. Ist es der Gesprächspartner am Telefon, dann überfliegen wir zwar die Mail, wissen nach dem Telefonat aber gar nicht mehr, was darin stand und lesen sie deshalb nochmal. Ganz schön unsinnig, statt sich lieber gleich ganz aufs Telefonat zu konzentrieren.

Multitasking raubt Effizienz und Produktivität

Wer Multitasking betreibt, der verrichtet seine Arbeit weniger effizient, als wenn er sich nach und nach auf eine Aufgabe konzentrieren würde. Multitasking führt in Unternehmen deshalb zur verminderter Produktivität und verlangsamt die Geschäftsprozesse. Das kann richtig Geld kosten. Deswegen beginnen erste Unternehmen damit, ihre Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren. Die Managementebene und auch das Qualitätsmanagement müssen vorbeugend Maßnahmen ergreifen, um die Produktivität im Unternehmen aufrecht zu erhalten. Denn so viel ist klar: Die Flut an Informationen, die uns Tag für Tag erreicht und zu Multitasking verleitet, wird keineswegs abnehmen. Sie wird vielmehr zunehmen, auch und gerade wegen der modernen Technik.

Deshalb ist Multitasking auch ein echter Krankheitsfaktor. Wer permanent das Gefühl hat, auf alles und jedes sofort reagieren zu müssen, der erhöht drastisch das Risiko, an Burnout oder Depressionen zu erkranken. Auch solche Ausfälle kosten Unternehmen viel Geld. Aus der folgenden Tabelle wird ersichtlich, dass Multitasking ein hoher Stressfaktor am Arbeitsplatz ist.

Freiräume schaffen

Untersuchungen haben ergeben, dass wir von E-Mails, Telefonaten und persönlichen Ansprachen an einem Arbeitstag durchschnittlich 27 Mal gestört werden. Nach jeder Störung benötigt das Gehirn 15 bis 20 Minuten um wieder in die unterbrochene Tätigkeit rein zu finden und sich darauf zu konzentrieren. In dieser Zeit leisten wir deutlich weniger, als wir eigentlich imstande wären.

Um diesem Teufelskreis zu umgehen, hilft es nur, sich klare Regeln zu setzen. Statt bei jeder blinkenden E-Mail alles stehen und liegen zu lassen, sollte man sich feste Zeiten setzen, wann man in sein Postfach schaut und Nachrichten beantwortet. Das kann beispielsweise einmal am Vormittag, einmal am Mittag und einmal vor dem Feierabend sein. Auch ein dichterer Takt, zum Beispiel zu jeder vollen Stunde, ist ok und bringt viel. Denn die Zeit, die durch Unterbrechungen flöten geht, ist mengenmäßig viel mehr.

Gleiches gilt für das Telefon. Wer feste Sprechzeiten einführt, in denen man anrufen oder vorbei kommen kann, der schafft sich Freiräume für konzentriertes Arbeiten. Sicher ist das zu Beginn schwer umzusetzen, doch wer am Ball bleibt, der wird schnell Akzeptanz ernten. Noch besser ist es, wenn ein Betrieb solche Regelungen unternehmensweit einführt. So kann es gar nicht zu Unverständnis bei Kollegen kommen.

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